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Schwimmwühlen

Man sieht sie...
Aber ab und zu...
Ihre Friedfertigkeit zeigt sich...
Jetzt herrscht Aufregung...
Die Wühle reißt...
Ein richtiges Monster...
Das wahre Gesicht von...
Endlich war es....

Die Schwimmwühle-Typhlonectes natans

Was ist das für ein seltsames Tier? Es sieht aus wie ein Aal, bewegt sich wie eine Schlange, hat Segmente wie ein Wurm...

Aber hat man schonmal einen Aal, eine Schlange oder einen Wurm lächeln gesehen?

Kein Aal, keine Schlange, kein Riesenwurm...sondern eine Schwimmwühle, noch dazu Eine, die lacht!!!

Schwimmwühlen sind Amphibien, auch wenn sie von den meisten Leuten beim ersten Anblick für irgendwelche seltsamen Aale gehalten werden, was ihrer Optik ja ziemlich nahe kommt. Sehr vereinfacht dargestellt kann man sagen, so wie eine Blindschleiche eine Eidechse ohne Beine ist, so ist eine Schwimmwühle ein Molch ohne Beine.

Sie leben in Südamerika in Flüssen. Zwei Arten davon gibt es in menschlicher Obhut, Typhlonectes natans und Typhlonectes compressicauda. 90% der Tiere, die in unseren Aquarien leben sind natans. Die meisten Besitzer meinen Tiere der Unterart compressicauda zu pflegen, was jedoch nicht an der Dummheit der Besitzer liegt, sondern ganz einfach an dem großen Mangel an Informationen, die es zu diesen wundervollen Tierchen gibt.

Sie sind auch für einen Laien schwer  zu unterscheiden. Typhlonectes natans haben mehr Falten um die Kloake als compressicauda, und zudem ein unterständiges Maul, was das eindeutigste Unterscheidungsmerkmal ist. Typhlonectes compressicauda tummeln sich in Nebenflüssen des Amazonas, Typhlonectes natans dagegen kommen nur in Kolumbien im Rio Cauca vor. Sie sind sehr gesellige Tiere, die die Gesellschaft ihrer Artgenossen brauchen. Schwimmwühlen lieben es mit ihren Artgenossen zu kuscheln. Zwischen dem Luftholen, was sie wie jedes Amphib ja tun müssen, liegen sie oft mit mehreren Kollegen zusammen in engen Höhlen. Die kleinste Ritze wird genutzt und sich hineingezwängt, egal, wie eng sie ist. Es ist fast nicht vorstellbar, wo sich über 60cm Wühle reinquetschen können. Man könnte meinen, das Motto der Schwimmwühlen lautet "Hauptsache gequetscht"...Von daher muß man den Schwimmwühlen viele Höhlen und Verstecke einrichten, je enger, desto besser. Sie quetschen sich wirklich in jede Ritze, dabei wird auch gerne mal die Einrichtung verschoben. Selbst eine sehr große und schwere Wurzel ist da kein Problem.

So richtig in Fahrt kommen sie eigentlich nur, wenn es was zu Futtern gibt. Das heißt bei uns : Stinte, Fischfilet, Muschelfleisch, Rinderherz, Hähnchenfleisch, Garnelen, Tintenfisch, Mückenlarven, etc. Gefressen wird nur, was schon tot ist. Bei Schwimmwühlen braucht man keine Angst zu haben, daß ein anderer Pflegling wie Fische, Garnelen oder sonst ein lebendes Getier zu Schaden kommt. Die Typhlonectes sind absolut friedlich untereinander und zu allen Anderen. Und das Schönste ist ihr Lächeln. Dieses freundliche Gesicht entschädigt für all die Arbeit, die die Schwimmwühlen machen, und die übertrifft etwas die anderen Aquarienbewohner, die man sonst so kennt. Schwimmwühlen häuten sich sehr oft, und die abgestreifte Haut wird nur zu einem kleinen Teil von Fischen gefressen, also heißt es regelmäßig die glibberigen, ziemlich ekligen Häute aus dem Becken entfernen. Auch trifft es die Schwimmwühlen ziemlich übel, wenn man die Pflege des Beckens vernachlässigt.  Zum Einen brauchen sie sehr weiches Wasser, zum Anderen auch wirklich regelmäßigen Wasserwechsel. Ist das Wasser zu kalkhaltig, dann können sich die Typhlonectes nicht häuten und sterben innerhalb eines Tages.

Sie heißen auch nicht umsonst Schwimm"wühlen". Es wird nicht nur geschwommen, sondern auch gewühlt. Ihnen macht es verdammt viel Spaß, mal so eben in den Sand zu verschwinden. Sie wühlen sich eben durch. Dadurch leidet natürlich die Bepflanzung im Aquarium. Am besten nimmt man nur Aufsitzerpflanzen wie z.B. Anubias, die auf Wurzeln oder Steinen festwachsen. Javafarn habe ich auf Bambusstöcke festgebunden und einfach mit einem Saugnapf an der Scheibe fixiert. Und natürlich frei schwimmende Pflanzen wie z.B. Wassernabel. Reine Oberflächenschwimmpflanzen wie Muschelblumen etc. werden von der Schwimmwühlen als störend beim Luftholen empfunden und die Tiere brauchen dann relativ lange, bis sie ein geeignetes Plätzchen gefunden haben.

Es bringt mich immer wieder zum Lachen, wenn ich vor dem Becken sitze um die Tiere zu beobachten, und dann taucht 10cm vor mir auf einmal ein Gesicht aus dem Sand auf und grinst mich an.

Eines muß man aber wirklich beherzigen: Das Becken muß absolut ausbruchsicher abgedichtet sein. Die Wühlen sind da wie Katzen, wo der Kopf durchpasst, geht auch die ganze Wühle durch. Auch kleine Kabelausschnitte im Deckel werden zur Flucht genutzt, besonders nach der Umsetzung ins neue Zuhause.

Die Paarung

Am 1.+2. Oktober war es endlich soweit und die Schwimmwühlen haben sich gepaart. Einige Tage vorher konnte ich zufällig beobachten, daß eins der männlichen Tiere mehrmals hintereinander sein Geschlechtsorgen rausgestülpt und direkt wieder eingefahren hat. Sein Penis sah aus wie ein Pilz mit langem Stiel und dickem Kopf. Da liegt was in der Luft, bzw. im Wasser, dachte ich.

Und ich hatte recht. Genau am Wochenende, als ich wunderbar Zeit zum Spannen, Filmen und Fotografieren hatte ging es los. Die Männchen flitzten wie Irre durch das Becken. So aufgeregt hatte ich die Typhlonectes noch nie gesehen. Alle waren hinter dem größten Weibchen her. Scheinbar hatte sie durch irgendwelche Pheromone ihre Paarungsbereitschft zu erkennen gegeben. Nach kurzer Zeit konnte ein Männchen bei ihr andocken. Es dauerte eine Weile, bis er mit seinem Hinterteil das Ihrige gefunden hatte. Dann dockte er an und sie zog ihn durch das Becken. Wie ein Fähnchen hing er an ihr und machte einen ziemlich hilflosen Eindruck.  Das war ein denkwürdiger Anblick, so fast 1,50m Wühle am Stück!

Das Ganze dauerte ca. 1-1 1/2 Stunden. Es sah aus wie bei Hunden, denn es macht den Eindruck, daß der Penis des Männchens vielleicht erst im Leib des Weibchens die endgültige Größe annimmt. Jedenfalls kam er nicht los. Nach beschriebener Zeit konnte er sich von ihr lösen. Keine halbe Stunde später hing das nächste Männchen an ihr. Alle anderen Männchen versuchten währenddessen auch an ihr anzudocken und tasteten sie  während der Paarung mit ihrem Hinterteil ab. Nr.3 und Nr.4 kamen danach auch zum Zug. Als diese dann den Wühlenakt beendet hatten, ging das Ganze von vorne los.

Das die Männchen angeblich während der Paarung wie wild um sich beißen konnte ich nur bei einem kleinen Wühlenmann beobachten. Er biss mehrmals in das Weibchen während des Paarungsvorganges. Die anderen Wühlenmänner bissen nicht um sich. Ich habe allein an zwei Tagen 7-8 Paarungen beobachtet. was allerdings nachts geschah...ich weiß es nicht. Scheinbar passierte da auch noch so einiges, weil die Wühlenfrau am nächsten Morgen ein paar Bisswunden mehr hatte.

Am zweiten Tag nachmittags war sie sichtlich erschöpft und hat nur noch die Flucht ergriffen. Die Männchen waren immer noch wie im Rausch. Ich hab dann gefüttert um die Tiere abzulenken, damit das Weibchen etwas Ruhe bekam. Hat auch wunderbar geklappt, sobald der Futtergeruch durchs Becken zog war alles andere vergessen.

Die anderen Weibchen blieben von der ganzen Wühlenorgie gänzlich unberührt...

Zwischen Ende April und Ende Juni 2012 müßten dann die kleinen Wühlenbabies das Licht der Welt erblicken.