Wie es dazu kam: Ich, ein Aquarianer mit 30 Jahren Hobbypause, legte mir wieder ein Standard-Aquarium zu. Das übliche, Neons, Panzerwelse, Rasbora, Garnelen, schwarzer Kies, braune Wurzeln und sattgrüne Pflanzen - bunt und nett.
Das war mir schnell zu langweilig und ich erinnerte mich an meine Krallenfrösche seinerzeit. Über diese Gedanken und das Wissen um Wabenkröten war ich schnell am überlegen mir Pipa Pipa, also die großen Wabenkröten zuzulegen. Da von denen aber Pflanzen entwurzelt und die sonstige Aquarien-Deko herumgeschoben wird, kam ich von der Idee ab. Bis ich auf Pipa Parva stieß, der kleineren Variante, deren Heimat zufällig auch einmal die meinige war.
Ich erkannte aber schnell, dass ich ein weiteres Aquarium einzurichten habe, letztendlich auch um sie artgerechter halten zu können. Anmerkung: Heute habe ich 6 Becken und denke über Nr. 7 nach :-)
Haltung: Ich habe für meine Pipa Parva Wabenkröten ein großes Eckaquarium und ein kleines Nachwuchsaquarium. Zudem das Männerwohnheim, ein Becken für die Halbstarken. Der Bodengrund bei allen Becken ist feiner Filtersand, wie er für Schwimmbadfilter eingesetzt wird. Auf keinen Fall nimmt man Sand vom Meeresstrand!
Die Temperatur halte ich mit einer Aquarium-Heizung bei 23-24 Grad. Dieser Stabheizer ist mit einem Kunststoffgitter umgeben (im Zoogeschäft erhältlich), damit sich die relativ schmerzunempfindlichen Kröten nicht verbrennen (kein Scherz!). Im Sommer greife ich nur bei einem Ansteigen über 30 Grad ein. Dies aber eher wegen der Fische und Garnelen.
Das Nachwuchsbecken (30 Liter Nanoaquarium) hat nur einen Innen-Eckfilter, betrieben mit einer Aquarium-Luftpumpe. Wichtig: Filter und Deko sind so angebracht, dass keine Ritzen unter 10mm vorhanden sind. Die sehr jungen Kröten kriechen gerne in alle Ritzen, finden dann aber nicht zurück oder klemmen sich ein und ertrinken.
Hier wachsen die jungen Kröten (nicht die Kaulquappen) die ersten 6-8 Wochen nach ihrer Metamorphose heran. Sind sie dann 2-3cm groß, gesund und nicht mehr so scheu, kommen sie ins große Aquarium zu den adulten Tieren.
Vergesellschaftung: In diesem Becken lebt auch stets eine Putztruppe, da die vielen kleinen Wabenkröten ganz schön "Dreck" machen und ich keinen strömungsstarken Außenfilter einsetzen möchte. Der Putztrupp besteht aus ca. 10 Red-Fire-Garnelen, 2-4 kleine Amano-Garnelen und 3 Otocinclus (s. Foto links). Trotz dieses fleißigen Aufräumkommandos muss wöchentlich 30% des Wassers gewechselt werden. Dieses besteht mindestens zu 50% aus Osmosewasser.
Das große Aquarium für die ausgewachsenen Kröten (200 Liter Eckaquarium) hat einen Wasserstand von 45cm. Das ist die optimale Höhe bzgl. Paarungstanz. Es gibt eine 50cm hohe Mangrovenwurzel die also etwas aus dem Wasser ragt. Sie hat enorm viele Verwindungen und Löcher - Versteckmöglichkeiten. Den herausragenden Teil benutzen die Kröten nicht, denn Wabenkröten gehen ausnahmslos nur an "Land" wenn sie das Gewässer wechseln wollen. Und das wollen sie nur wenn etwas nicht stimmt. Die Löcher und Hohlräume der Mangrovenwurzel lieben sie innig.
Der auf 400L/h gedrosselte aber großvolumige Außenfilter erzeugt kaum störende Strömung trotz hoher Filterwirkung. Eine ebenfalls regulierbare Luftpumpe (JBL Pro Silent S200) pumpt pausenlos Luft ins Wasser. Es sollten unbedingt mehrere feinperlige Luftausströmer (z.B. Erlenholz) angeschlossen sein, denn große laute Blasen wären eine echte Lärmbelästigung für die Kröten, die zu Verhaltensstörungen und Umzugsgedanken führen kann.
Vergesellschaftung: Da in diesem Becken der Nachwuchs schlüpft sind Nanofische angesagt. Sie fressen schwebende Futterreste usw. In meinem Fall 7-10 Rasbora Maculata. Dann kommt die obligatorische Putzmannschaft: ca. 80 Red-Fire-Garnelen, etliche Turmdeckelschnecken, max. 4 Pittbull-Welse (LDA 25), 10 Otocinclus (Ohrgitterharnischwels) und 2 Dornaugen für die Ritzen in den Wurzeln.
Das Männerwohnheim, von Besuchern auch Fightclub genannt, ist ein 80x40cm-Aquarium. Einrichtung, Temperatur, Außenfilter usw. sind dem großen Becken gleich. Hier sitzen die halbstarken Männchen. Sie sind vom Rest der adulten Kröten getrennt, weil sie in der frischen Erkenntnis ein Mann zu sein, alles klammern was ihnen vor die Arme kommt. Das ist mehr als nur eine Belästigung für bereits tragende Weibchen, eher eine Dauervergewaltigung. Belässt man die halbstarken Kröten-Männchen im Aquarium mit den Weibchen, leben diese nur noch versteckt. Auch in diesem Becken sind 2 Dornaugen und Pitbull-Welse. Eine Herde kleinbleibende Platys und ca. 50 Red-Fire-Garnelen machen das Becken bunter und für die Kröten lebhafter.
Anmerkung: Ich werde oft gefragt ob die Krötenmännchen in diesem Männeraquarium nicht Fluchtversuche starten, also das Gewässer wechseln wollen um Weibchen zu finden. Die Frage ist völlig berechtigt und würde wissenschaftlichen Beschreibungen entsprechen. Ich konnte aber noch keinen Ausreißer feststellen. Allerdings verbleiben die Pipa-Parva-Männchen auch nicht auf ewig isoliert. Wenn ich Nachwuchs benötige oder ein anderer Halter das "Blut" seiner Zuchtlinie "auffrischen" will, ziehen die Kröten entsprechend um.