Nach jedem Wasserwechsel hoffte ich auf eine Paarung, aber nichts geschah. Auch hörte ich niemals ein Rufen oder Quaken, wo doch die Krötenmänner angeblich das ganze Jahr über rufen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es sich um drei Weibchen handelt. Ich habe sogar ein paar Guppies als Lebendfutterproduzenten dazu gesetzt, da dies auch die Paarungsbereitschaft stimulieren soll.
Es war äußerlich absolut kein Unterschied bei den Dreien festzustellen Also hab ich einige Pipa Parva –Halter angeschrieben, um noch mehr über einen vorhanden Geschlechtsdiphormismus zu erfahren, als ich der Literatur entnehmen konnte. Nur von einem bekam ich überhaupt eine Antwort, aber er versicherte mir auch nur, dass optisch kein 100% erkennbarer Unterschied bestehe. Nun hatte ich gelesen, dass bei den Weibchen manchmal die Eier orangefarben durch die Bauchhaut schimmern. Dies war bei allen Dreien der Fall. Ich war mir langsam zu Hundert Prozent sicher, dass es sich um drei weibliche Tiere handelt. Aus Wolfgang wurde kurzerhand Irmgard. Also ging die Suche wieder los nach einem Männchen. Diesmal hatte ich mehr Glück, und wurde schon nach ein paar Tagen fündig. Ich bekam einen hübschen Krötenmann aus Wien, genannt Karl-Heinz, der mit dem Tierkurier anreiste, was ich nur empfehlen kann. Nachmittags abgeholt, morgens um acht war er schon da.
Ich setzte ihn direkt ins Becken zu den drei Weibchen und fütterte, da er mir bisschen dünn vorkam. Er ging direkt ans Futter, und zeigte sich auch kein bisschen scheu. Jetzt, wo ich ihn im direkten Vergleich mit den Weibchen sehen konnte, finde ich, dass doch erkennbare Unterschiede vorhanden sind. Zum einen ist seine Kloake wirklich sehr klein, bei den Weibchen ist der Kloakenring deutlich zu erkennen, bei ihm nicht. Und bei den Weibchen ist manchmal hinter dem Kopf eine Hautfalte zu sehen, sieht bisschen aus, als hätten sie ein Kopftuch an. Das ist die Grenze, ab der später bei der Paarung die Rückenhaut anschwillt. Man sieht diese Falte nicht immer, je nachdem wie sie den Kopf halten. Das Männchen hat diese Falte jedoch nicht. Und dann natürlich das Rufen. Der Krötenmann ruft vorwiegend Abends, und das jeden Tag. Er hat damit direkt am ersten Tag angefangen, und hatte sofort Erfolg bei der Damenwelt. Schon am ersten Abend hat er sich, unbemerkt von mir, ein Weibchen geschnappt. Am nächsten Morgen um acht Uhr sah ich zufällig, dass er eine Krötendame klammerte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, er bräuchte doch zumindest ein paar Tage, bis er sich eingelebt hat. Ihr Rücken war schon zu ca. ein Drittel voll mit Eiern. Die Eier sind ca. 2 mm groß und fast weiß mit einem zarten Orange. Die Rückenhaut war sehr stark angeschwollen, es sah aus, als hätte sie eine Decke über den Rücken hängen . Da ich zur Arbeit mußte konnte ich leider nicht weiter beobachten. Als ich abends nach Hause kam hatten sich die beiden bereits wieder getrennt. Ihr Rücken war voll mit Eiern, welche schon zu ca ¾ eingesunken waren. Die Guppies zupften an den Eiern rum, und das Weibchen flüchtete immer wieder. Als erstes mussten die Guppies das Becken verlassen und bei die ZKFs umziehen. Dann bereitete ich eine „Entbindungsstation“ für die Krötendame vor. Ich befüllte ein separates Aufzuchtbecken von ca.20x40cm mit Wasser aus dem Haltungsbecken, etwas Javamoos und Wassersalat als Versteckmöglichkeit, ein kleiner Innenfilter und einen Stabheizer. Der Wasserstand beträgt nur ca. 12cm, die Temperatur 27°C. Am Auslauf vom Filter ist ein gelochtes Röhrchen als Verlängerung .Ich habe den Filter so platziert, dass es der Auslauf etwas über der Wasseroberfläche ist, und es somit durch die kleinen Löcher „regnet“, damit das Wasser mit viel Sauerstoff angereichert wird, da dies in der Literatur als vorteilhaft für „trächtige“ Krötendamen beschrieben wird. Es ist ein ziemlich flaches Becken, dass ich ansonsten für die Aufzucht der ZKF-Quappen benutze. Dann separierte ich die Schwangere.
Kaum war das begattete Weibchen aus dem Becken, fing das Männchen schon wieder an zu rufen. Ein weiteres Weibchen fühlte sich scheinbar sehr animiert, und schwamm andauernd so vor ihn, dass er eigentlich nur zupacken musste. Wenn er nach ihr fasste, schwamm sie weg. Das ging ungefähr eine Stunde so. Dann ließ sie sich packen. Am nächsten Morgen um sieben Uhr waren sie immer noch beim Paarungsschwimmen. Ihre Rückenhaut war angeschwollen. Ab acht Uhr fingen sie mit den Turnovers an, und die Eier wurden ausgestossen. Einige blieben dabei auf dem Rücken, viele fielen aber auch zu Boden. Um halb zwölf war der Rücken des Weibchens bis zur Hälfte mit Eiern bedeckt, und sie trennten sich.
Am selben Abend ging das Spiel mit dem dritten Weibchen los. Rufen-Klammern. Bei dieser Paarung konnte ich auch beobachten, wie das Männchen mit dem Fuß über den Kopf des Weibchens streicht. Über Nacht schwoll wieder die Rückenhaut, und morgens um acht begann wieder die Eiablage bis ca. halb elf. Weibchen Nr.2 fraß die herabfallenden Eier. Das Weibchen Nr. 3 war zu einem Drittel mit Eiern bedeckt. Bei allen drei Krötendamen konnte ich beobachten, dass die Eier hinter dem Kopf als erstes einsinken, obwohl sie ja von hinten nach vorne verteilt werden. Nr.2 + 3 ließ ich im Haltungsbecken. Karl-Heinz, der Unersättliche, klammerte am folgenden Abend mangels Alternative die Mooskugel, bemerkte seinen Irrtum jedoch relativ schnell. Ich weiß nicht, ob Pipa Parva Männchen generell so paarungswild sind, bei meinen ZKFs konnte ich dies auch schon beobachten. Ich weiß vom Vorbesitzer, dass das Männchen zuvor ein Jahr Single war, und mit mehreren Xenopus-Damen in einem Becken leben musste. Nach drei Tagen sind bei dem ersten Weibchen, welches in dem separaten Becken sitzt, noch so gut wie alle Eier im Rücken und nur noch als winzige Punkte erkennbar. Bei Nr.2 sind einige Eier noch im Rücken, bei Nr. 3 sind nur noch ca. 4-5 Eier im Rücken. Einige Eier sind nicht vollständig eingesunken, und sehen ganz zerrupft aus. Ich weiß nicht, ob dies mit der Temperatur, dem Sauerstoffgehalt, oder sonstiges zusammenhängt. Vermutlich wird sich nur bei Nr.1 eine normale Entwicklung zeigen.
Am 24. Juni, nach ca. 2 Wochen in der „Entbindungsstation“, sah der Rücken des Weibchens total verbeult aus, alles hätte sie alles voller dicker Pickel. Die Quappen mussten jetzt kurz vor dem Schlupf sein. Am 26. Juni, morgens um 8 Uhr, konnte ich eine Quappe beim Schlüpfen beobachten. Das Gesicht der Quappe schaute schon aus der Wabe heraus, dann wurde es scheinbar mit Druck regelrecht herausgepresst und schoß ein paar Zentimeter in die Höhe. Es stieß dann direkt hoch zur Wasseroberfläche um Luft zu holen.
Ich habe das Kleine sofort herausgefangen und in ein kleines Becken mit ca. 10 ltr. Inhalt überführt. Dann habe ich sofort frische, aufgelöste Hefe zugegeben.
Sie hat während des Schlupfvorganges oft geblinzelt, vielleicht drücken die Weibchen aktiv mit? Man kann zwar nichts derartiges erkennen, aber es macht für einen Beobachter den Eindruck.
Man konnte erkennen, dass mehrere Wabendeckel offenstanden, dünne Hautschichten, die hochgeklappt waren.
Vermutlich waren in der Nacht schon einige geschlüpft und von der Mutter gefressen worden.
2 Quappen konnte ich noch beim Schlüpfen beobachten, bevor ich auf die Arbeit musste, beide waren aber nicht lebensfähig.
Als ich abends nach Hause kam, waren keine weiteren Quappen zu sehen, vermutlich alle gefressen von der Mutter.
Das kleine Einzelkind gedieh prächtig. Ich hab es abwechselnd mit Hefe, gemahlener Brennessel und Staubfutter gefüttert. Wasserwechsel hab ich täglich gemacht, ca. 50%.
Am 5. Juli waren Hinterbeinansätze zu sehen.
Am 13. Juli und am 16. konnte ich noch mal 3 und 7 Quappen retten, am 23. dann noch 6 Stück, von den anderen Weibchen.
Am 26. Juli sah ich, dass Baby Nr.1 über Nacht Ärmchen bekommen hatte, und ab 31. Juli hat es seine Beinchen zum Schwimmen benutzt.
Am 6. August war sein Schwänzchen nur noch zur Hälfte da. Während der Umwandlung zur fertigen Kröte scheinen die Kleinen 2-3 Tage nicht zu fressen. Sie stellen das Filtrieren ein, sobald der Schwanz kürzer wird. Erst wenn das Schwänzchen nach ca. 3 Tagen vollständig weg ist kann man eine Nahrungsaufnahme beobachten. Scheinbar braucht das Verdauungssystem seine Zeit, bis es sich umgestellt hat. Wenn ich sehe, das die Quappen das Filtrieren eingestellt haben, gebe ich jedesmal direkt "feste Nahrung", aber erst nach diesen 3 Tagen wird auch gefressen.
Ich probierte es mit gefrorenen Cyclops und Mülas, welche das Kleine auch relativ schnell genommen hat, nachdem ich das Essen vor das Schnäuzchen bugsiert hatte.
Einige Quappen sind während der Aufzuchtphase leider verstorben. Manche kamen schon nicht lebensfähig zur Welt, d.h. nach dem Ausstoßen von der Mutter sanken sie zu Boden, anstatt nach oben zu schwimmen. Andere lagen tagelang auf der Seite. Sie nahmen zwar anscheinend Nahrung auf, die Bäuchlein waren voll, waren aber nicht schwimmfähig. Die Tierchen habe ich dann erlöst.
Am fittesten waren die, bei denen das Gesicht zuerst aus der Wabe schaute, und dadurch relativ zügig schlüpfen konnten.
Elf Stück blieben letztendlich übrig.
Sie sind jetzt mit einem guten halben Jahr zwischen 2 und 3 cm groß.
Drei davon sind schon zu ihrem neuen Besitzer umgezogen, allerdings nur, weil dieser sie persönlich abholen konnte.
Das Geschlecht ist noch nicht zu erkennen, doch der neue Krötenpapa hat mir mitgeteilt, dass das größte, Erstgeborene, schon ruft und klammert, frühreif halt ;-)
Kleine ZKFs sind ja schon goldig, aber die Pipas sind noch süßer, denn die Babies haben im Gegensatz zu den Erwachsenen noch nicht dieses spitze Gesicht. Sie haben runde Schnäuzchen. Dadurch erfüllen sie voll das Kindchenschema. Ein Mann sieht das vielleicht anders, aber ich bin halt Mama....
Mittlerweile hab ich auch die optimale Lösung für die Ernährung der Pipa-Parva-Kaulquappen gefunden. Da es etwas zeitaufwendig ist, den Quappen zweimal täglich eine "Brennesselsuppe" zu machen, weil die getrockneten Brennessel jedesmal mit dem Mörser fein zerstoßen und gesiebt werden müssen, hab ich eine Methode entwickelt, die das Ganze vereinfacht und viel Zeit spart: Ich nehme ca. 10 gehäufte Esslöffel voll Brennessel und bearbeite sie ungefähr 10 Minuten lang in einem hohen Behälter mit dem elektrischen Passierstab. Damit es nicht so staubt und das wertvolle Pulver durch die Küche fliegt, mache ich etwas Wasser dazu. Das gibt dann eine zähflüssige, grüne Pampe, die ich dann wiederum durch ein Teesieb gieße, und anschließend noch durch ein Artemiasieb, damit nur die feinsten Bestandteile in der Suppe sind. Dieses dunkelgrüne Brennessel-Pulver-Saft-Konzentrat fülle ich dann mit Wasser auf knapp einen Liter auf und gieße das Ganze in einen Eiswürfelbehälter und friere es ein. So kann ich morgens und abends einen Würfel aus dem Gefrierschrank holen, in etwas Wasser auftauen und noch eine Portion Hefe dazu, fertig ist die optimale Quappensuppe! Und ich habe die Erfahrung gemacht, daß diese Mischung den Pipa-Quappen am besten bekommt. Sie liegen nicht mehr teilnahmslos am Boden, sondern halten sich den ganzen Tag in mittlerer Wasserhöhe auf, immer schön am Schwimmen und Filtrieren, und machen einen sehr munteren Eindruck. In ihrem Behälter ( 60x40x30, Plastikbottich, Baumarkt, ca. 10 €) sind ca. 40 ltr. Wasser, von dem täglich ca. 15 ltr. gewechselt werden. Dabei fahre ich mit dem Absauger ganz dicht über den Boden, um den Schleim, der sich dort absetzt, aufzuwirbeln und abzusaugen. Natürlich muß man dabei gut aufpassen, damit man keine Quappe mit absaugt. Ab und zu putze ich auch vor dem Absaugen ganz vorsichtig und langsam den Boden des Bottichs mit einem Schwämmchen, damit sich der ganze Schleim richtig löst. Also all zu empfindlich darf man nicht sein. Eine Luftpumpe mit Auslass in einem Pseudofelsen sorgt für Sauerstoff. Der Bottich entwickelt bei mir keine Gerüche und sieht auch recht apettitlich aus, verm. weil es doch eine große Wassermenge ist.